Klarheit hat in Organisationen einen hohen Stellenwert.
Sie schafft Orientierung, reduziert Missverständnisse und erleichtert Entscheidungen.
Und doch ist nicht alles, was klar wirkt, auch wirklich geklärt.
Manche Klarheit entsteht aus sorgfältigem Verstehen. Andere aus Verkürzung.
Im Moment, in dem beide ausgesprochen werden, lassen sie sich kaum unterscheiden. Oft klingt die verkürzte Form der Klarheit sogar überzeugender, weil sie ohne Zögern und Innehalten auftritt.
In komplexen Situationen wächst deshalb die Versuchung, Unübersichtliches schnell zu ordnen, mit bekannten Begriffen zu benennen und Spannungen in einfache und schnell überwindbare Gegensätze zu übersetzen. Das schafft Entlastung. Aber nicht immer Klärung.
Wirkliche Klarheit entsteht selten durch Vereinfachung. Sie entsteht dort, wo jemand bereit ist, Zusammenhänge länger offen zu halten, Unterschiede stehen zu lassen und Widersprüche nicht vorschnell zu glätten.
Das verlangt innere Ruhe. Denn Unklarheit auszuhalten, ohne in Beliebigkeit zu geraten, ist anspruchsvoller, als rasch eine Position zu beziehen.
Reifere Klarheit wirkt deshalb oft weniger entschieden als verkürzte Klarheit, gerade weil sie zugibt, was noch offen ist. Möglicherweise liegt darin ihre Stärke: nicht alles sofort zu wissen, sondern so lange hinzusehen, bis das Wesentliche sichtbar wird. Dann ist Klarheit nicht Verkürzung von Komplexität, sondern die Fähigkeit, sich in ihr zu orientieren, ohne sie zu verleugnen.
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