Nicht jede Entscheidung braucht dieselbe Zeit.
Manche müssen schnell getroffen werden.
Andere verlieren an Qualität, wenn sie zu früh entschieden werden.
Genau dieses Unterscheiden wird in Führungsverantwortung zu einer wesentlichen Aufgabe. Denn Zeit ist nicht nur eine äußere Ressource. Sie ist auch ein innerer Faktor der Klärung.
Manches wird erst sichtbar, wenn ein Gedanke nachwirken darf. Wenn Widersprüche nicht sofort beseitigt werden. Wenn eine Situation nicht nur analysiert, sondern über eine gewisse Zeit hinweg beobachtet und eingeordnet wird.
Das bedeutet nicht Zögern.
Und auch nicht Unentschlossenheit.
Es bedeutet, den Reifungsprozess einer Entscheidung ernst zu nehmen.
Eine vorschnelle Entscheidung kann Handlungsfähigkeit erzeugen und zugleich Zusammenhänge übergehen, die später mit größerem Aufwand zurückkehren.
Eine zu lange aufgeschobene Entscheidung wiederum kann Unsicherheit verlängern sowie Verantwortung und Vertrauen schwächen.
Zwischen diesen Polen entsteht eine anspruchsvolle Frage: Wann ist der Zeitpunkt gekommen, an dem eine Entscheidung nicht vollständig sicher, aber reif genug ist?
Ein Hinweis darauf liegt oft dort, wo neue Informationen oder ein weiterer Gedankengang die Entscheidung nicht mehr wesentlich verändern, sondern nur noch bestätigen, welche Richtung sich bereits abzeichnet.
Weiteres Abwägen bringt dann keine Klärung mehr, sondern verschiebt einen Schritt, der längst möglich wäre.
Reife liegt nicht darin, eine Entscheidung möglichst lange offenzuhalten. Sie besteht darin, wahrzunehmen, wann etwas noch Zeit benötigt, und zu erkennen, wann der Moment gekommen ist, dem Prozess ein Ende zu setzen.
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