Jürgen Schmidt-Hillebrand

Wozu ein Gespräch von außen hilfreich sein kann

Viele Fragen lassen sich innerhalb einer Organisation klären. Und das ist auch richtig so. Es gibt jedoch Situationen, in denen das eigene System an Grenzen kommt. Nicht, weil es an Kompetenz fehlt. Sondern weil jede Perspektive bereits eingebunden ist: in Rollen, in Beziehungen, in Interessen, in Loyalitäten und in die Geschichte der Situation selbst. Gerade […]

Viele Fragen lassen sich innerhalb einer Organisation klären.

Und das ist auch richtig so.

Es gibt jedoch Situationen, in denen das eigene System an Grenzen kommt. Nicht, weil es an Kompetenz fehlt. Sondern weil jede Perspektive bereits eingebunden ist: in Rollen, in Beziehungen, in Interessen, in Loyalitäten und in die Geschichte der Situation selbst.

Gerade dann kann ein Gespräch von außen etwas sichtbar machen, das von innen nur schwer zu sehen ist. Weniger, weil eine Person von außen mehr wüsste, sondern weil sie an keiner der Positionen gebunden ist, die in der Situation bereits besetzt sind.

Genau das verändert, was gedacht werden kann: Ein Gedanke, der innen sofort eine Position wäre, eine Zustimmung, ein Widerspruch, eine Festlegung, kann von außen zunächst nur Gedanke oder Angebot bleiben.

Der Wert eines solchen Gesprächs liegt nicht nur im Austausch. Er liegt in der besonderen Form von Aufmerksamkeit, die dort möglich wird.

Manches wird erst klar, wenn es ausgesprochen ist. Anderes, wenn es jemand von außen in seinem Zusammenhang wahrnimmt und in einen anderen Kontext stellt. Und wieder anderes, wenn ein Gedanke nicht sofort bewertet, sondern weitergedacht wird. So entsteht Schritt für Schritt eine Klärung, die im eigenen System oft schwer erreichbar ist.

Der eigentliche Wert liegt selten im Rat, den jemand von außen gibt. Er liegt vielmehr darin, dass eine Frage noch offenbleiben darf, die im eigenen System längst eine Antwort haben müsste oder eine Position auslösen würde.

Möglicherweise besteht genau darin die wesentliche Wirkung eines Gesprächs von außen: Es öffnet einen Rahmen, in dem nicht vorschnell etwas gelöst werden muss, damit wieder sichtbar werden kann, worum es in einer Situation wirklich geht.