Mit jeder Führungsrolle verbinden sich Erwartungen.
Ein Teil davon ist sichtbar:
Ziele,
Aufgaben,
Zuständigkeiten,
Entscheidungen,
Verantwortung.
Ein anderer Teil bleibt oft unausgesprochen:
Werte,
Haltungen,
Zuschreibungen,
Hoffnungen,
Projektionen.
Wer eine verantwortliche Rolle übernimmt, tritt deshalb nie nur in eine Funktion ein. Er tritt immer auch in ein Gefüge von bewussten und unbewussten Erwartungen ein, das auf ihn wirkt und sein Handeln mitprägt.
Gerade dort beginnt eine Spannung, die in vielen Führungsrollen über längere Zeit spürbar bleibt:
Wie viel Person ist in der Rolle möglich?
Wie viel verlangt die Rolle, dass Persönliches zurücktritt?
Diese Frage lässt sich nicht ein für alle Mal beantworten. Sie stellt sich immer wieder neu: in Gesprächen, in Entscheidungen, in Situationen von Nähe und Distanz, in dem, was man zeigt, und in dem, was man bewusst zurücknimmt.
Wird die Rolle zu eng geführt, entsteht leicht Härte, Formalismus oder innere Distanz. Wird sie zu persönlich gelebt, kann Unklarheit entstehen, oder die eigene Person gerät in Verstrickungen, die dann Gespräche erschweren und Entscheidungen belasten.
Reife in Führung zeigt sich deshalb nicht darin, dass diese Spannung verschwindet. Sie zeigt sich darin, dass jemand sie wahrnimmt, aushält und bewusst so gestaltet, dass Rolle, Auftrag, Kontext und Person nicht gegeneinander arbeiten.
Vielleicht gehört das zu den stilleren Aufgaben von Führung: nicht nur Entscheidungen zu treffen, sondern die eigene Rolle so auszufüllen, dass sie der Aufgabe dient, ohne die Person dabei zu verlieren.
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